Das Wunder von Karlsruhe!!!

Die Damenmannschaft schreibt Geschichte und ganz Rugbydeutschland ist von den Socken. Die Potsdamer Adlerinnen erkämpften sich heroisch den 3. Platz auf den Deutschen Meisterschaften des olympischen 7er Rugbys.




Freitag, 16:00 Uhr, Parkplatz in der Potsdamer Stadtmitte: 18 Personen in einheitlichen weißen Shirts begrüßen sich freudig, verladen einige große Gepäckstücke und rollen als Fahrzeugkolonne in Richtung Autobahn. Was genau konnte man da beobachten? Es war die Abfahrt des PDM-Trains auf dem Weg nach Karlsruhe! Gemeint ist das Potsdamer Damenrugbyteam, welches sich nach einer erfolgreichen Saison 2018/2019 für die Deutsche Meisterschaft im 7er Rugby qualifiziert hatte. Nun wollte man sich bei einem Zweitagesturnier mit den weiteren elf stärksten Teams aus Deutschland messen und den deutschen Rugbymeister küren.

Am Samstagnachmittag wurde das Turnier, welches auf dem Gelände des Karlsruher SV stattfand, angepfiffen. Für die Potsdamer Ladies ging es im ersten Spiel gegen die Flying Wombats aus Mainz. Allerdings musste das Team direkt vor Anpfiff einen herben Verlust verarbeiten: Während des Warm-ups kam es zu einer Verletzung, die für eine Potsdamerin das Turnier schon vor dem eigentlichen Beginn beendete. Nun hieß es zusammenrücken, fokussieren und umso entschlossener auf den Platz gehen! Den Potsdamer Damen gelang es mit einer überzeugenden Leistung die Mainzerinnen schließlich mit 35:7 zu besiegen. Im nächsten Spiel der Gruppenphase wartete der RK Würzburg auf die Potsdamerinnen. Auch hier zog sich, wie in der bisherigen Saison, die geduldige und disziplinierte Spielweise der Potsdamer Ladies wie ein roter Faden (bzw. ein rotes Kabel) durch das Duell. Zum Abpfiff konnte man einen 26:5 Sieg verbuchen. Im letzten Spiel der Gruppenphase wartete mit dem SC Neuenheim aus Heidelberg der Vorjahressieger der Deutschen Meisterschaft im 7s Rugby auf die Damen des USV Potsdam. Somit starteten die Potsdamerinnen als Underdog in ihr letztes Spiel des ersten Tages. Schon von Minute eins an war klar, dass sich hier zwei Mannschaften auf Augenhöhe begegneten, die sich keinen Zentimeter schenken würden. Somit bot man den Zuschauern eine harte, sehr spannende Begegnung. Mit einer äußerst beherzten und kämpferischen Verteidigung, einer starken und geschlossenen Teamleistung und der richtigen mentalen Einstellung gelang es den Potsdamerinnen, sich mit 12:10 durchzusetzen. Somit beendet man den ersten Turniertag mit drei Siegen als Gruppenerster und sichert sich so eine sehr gute Ausgangsposition für die K.O.-Spiele am Sonntag. Der erste Schritt war getan und nun war es auch den anderen Mannschaften klar: Potsdam ist stark und absolut nicht zu unterschätzen. Der Samstagabend stand ganz im Zeichen der Regeneration, um möglichst fit in die zweite Turnierhälfte zu starten. Von kalten Duschen und Kompressionskleidung über Obstteller, Pizza und Elektrolytdrinks bis hin zur physiotherapeutischen Behandlung weit in die Nacht hinein, wurden dabei keine Möglichkeiten ausgelassen.

Nach einem gemeinsamen Frühstück am Platz stand am Sonntagmorgen dann das Viertelfinale gegen den TSV 1846 Nürnberg an. Auch hier zeigten die Potsdamerinnen eine sehr kämpferische Verteidigungsleistung sowie ein dynamisches, strukturiertes Angriffsspiel. Mit dem 33:0 Endstand konnte man den bisher deutlichsten Sieg verbuchen und sich über den Einzug in die Runde der letzten Vier freuen. Halbfinale. Ein Wort, dass wohl bei jeder Potsdamerin ein Wunschgedanke war, dass dieser nun wirklich eintraf, war überwältigend. Top 5 war das anvisierte Ziel, welches aufgrund der vorherigen Leistungen des Teams realistisch erschien. Doch nach dem bisherigen Turnierverlauf wollte man sich damit keinesfalls begnügen, sondern schaute optimistisch auf das anstehende Halbfinale gegen den Heidelberger RK. Hier konnten die Potsdamerinnen früh in Führung gehen und der Finaleinzug war zur Halbzeitpause zum Greifen nah. Allerdings konnte der HRK in der zweiten Hälfte die Potsdamer Verteidigung einige Male durchbrechen und das Spiel mit stark gespielten Angriffen für sich entscheiden. Zwar versuchten die Potsdamerinnen bis zur letzten Minute in das Heidelberger Malfeld vorzustoßen, doch mussten sich schlussendlich mit 14:33 geschlagen geben.

Zwar war das Finale somit nicht mehr zu erreichen, trotzdem durften die Köpfe nicht hängen gelassen werden. Denn das Spiel um Platz 3 stand an – ein Treppchenplatz bei der Deutschen Meisterschaft war immer noch möglich. Die Mannschaft, die diesen Platz ebenfalls für sich erkämpfen wollte, war der SC Neuenheim – erneut, welcher im Halbfinale am RSV Köln gescheitert war.

Es sollte das letzte von sechs anstrengenden und fair umkämpften Spielen sein, zwei Spieltage lagen den Potsdamerinnen in den Knochen, bei welchen sie ihre Stärken zeigten, ihren Kampfgeist und ihre Löwenherzen. Jede Mannschaft hat ihren eigenen Weg, sich auf solche Art Spiele vorzubereiten, Traditionen, die dem Team den letzten Funken Motivation bringen und den Fokus so setzen, dass jede einzelne Spielerin nur eins will: Den Ball. Für das Team und mit dem Team. „The Circle of trust“ charakterisiert genau diesen Moment, kurz bevor das Spiel beginnt. Ein Kreis wird gebildet und der Trainer Johannes Schneidemesser beginnt mit seiner ehrlich starken und eingehenden Motivationsrede an seine Adlerinnen. Und genau in diesem Moment zeigen sich die Emotionen, welche er für sein Team empfindet. Trainer sein bedeutet nicht nur, seinem Team die nötigen Skills beizubringen oder die Startaufstellung festzulegen. Trainer sein bedeutet vor allem, seiner Mannschaft Vertrauen zu schenken und bedingungslos an sie zu glauben. Das Team wäre nicht dort, wo es jetzt ist, ohne diesen außergewöhnlichen Trainer Johannes „Schneidi“.

Vor mittlerweile gut gefüllten Rängen am Hauptplatz liefen die Potsdamerinnen also ein letztes Mal gemeinsam auf den Rasen. Wie schon am Samstag sahen die Zuschauer ein sehr kampfbetontes Spiel mit vielen harten Tacklings in insgesamt 14 sehr spannenden Minuten. Zur Halbzeit stand es 7:5 für die Adlerinnen – die Entscheidung war also noch nicht gefallen. Kurz vor Schluss konnten die Potsdamer Damen dann aber erneut die Neuenheimer Verteidigung durchbrechen und mit 21:5 zur Führung ausbauen. Kurz nach dem folgenden Ankick erlöste der Schiedsrichter die Potsdamerinnen und alle mitfiebernden Fans mit dem Abpfiff. Es war geschafft: Nach dem 10. Platz bei der DM 2018 und erst drei Jahre nach ihrer Gründung, konnten die Ladies des USV Potsdam nun den dritten Platz bei der Deutschen Meisterschaft 2019 bejubeln! Überwältigend. Trainer, Spielerinnen und Begleiter fielen sich auf dem Platz in die Arme, Tränen konnten nicht unterdrückt werden und Schneidi rief freudestrahlend: „Genießt es. Genau dafür seid ihr hier!“

Ein großes Dankeschön geht an das Team hinter dem Team, welches jederzeit zur Stelle war, den Rücken der ganzen Mannschaft stärkte und somit für eine sorgenfreie Fahrt des PDM-Trains sorgte! Des Weiteren einen großen Dank an unsere extra mitgereiste Physiotherapeutin Anja, ohne sie wären wohl die ein oder anderen Beine nicht so schnell am zweiten Tag gelaufen! Ebenfalls bedanken sich die Potsdamerinnen für den Support von den Mitstreitern aus dem Osten Deutschlands, dem RK 03 Berlin! Wir gratulieren dem RSV Köln zum Gewinn des Deutschen Meistertitels im 7er Rugby 2019 und danken dem Karlsruher SV für die Ausrichtung und Organisation des Turniers.

Wir hoffen auf ein Wiedersehen.

Abschließend ein großes Dankeschön an die tapferste Potsdamer Spielerin, die trotz Nasengips in Gedanken mit auf dem Feld stand.

Rugby Potsdam ist nun wieder auf der Landkarte des 7er-Rugbys zu finden. Auf das, was kommen mag!

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