Alt trifft auf Jünger - Eine Rugbyreise nach Prag

Aktualisiert: 16. Sept 2018

Reisen, Turniere und damit auch Partys gehören zum Rugby wie der eiförmige

Ball. Da spielt das Alter keine Rolle. Genau das dachten sich auch die Alten

Herren des USV Potsdam, als es im Mai zum 9. Old-Prague Ham International

Rugby Veteranen Event ging. An diesem Turnier nehmen jedes Jahr 20

Mannschaften aus ganz Europa und Nordamerika teil. Gedacht war eine

Teilung des Turniers in zwei Altersgruppen - über 35 bis 50 und über 50 Jahren -

die aber kurzfristig wieder verworfen wurde. Da die Potsdamer Spieler im

Schnitt über 50 Jahre alt sind, stellte sich das im Turnierverlauf als Nachteil für

uns heraus.

Somit gingen die Spieler mit viel Vorfreude auf die Reise mit der Bahn nach

Prag. Im Gepäck natürlich das ein oder andere Hopfengetränk. In die

Gruppe D wurden die Potsdamer mit Beti Brixkor aus Frankreich, den California

Bald Eagels aus der USA, den Moravskoslezsti Orli aus Tschechien und

Melgachos Vellos Rugby aus Spanien gelost.

Schwere und spannende Gegner standen also auf den Plan, so dass wir nach

dem Beziehen des Hotels und der gemütlichen Players-Welcome-Party am

Freitag relativ zeitig die Betten aufsuchten.

Am Spieltag ging es nach dem Frühstück schon zeitig mit dem Shuttle-Bus vom

Hotel nach Ricany, einer kleinen Stadt an der südöstlichen Grenze der

Hauptstadt Prag. Dort erwartete uns ein schönes Sportgelände des örtlichen

Rugbyclubs. Die Temperaturen waren bereits am Vormittag weit im hohen

zweistelligen Bereich, so dass wir von Beginn den Schatten unter ein paar

Bäumen suchten.

Dann war es endlich soweit: in unserem ersten Spiel sollte uns gleich das

französische Team gegenüberstehen, eine Mannschaft, die über mehr

Reservespieler als unser gesamtes Team verfügte. Nach dem Anpfiff ging es

gleich ordentlich los, kein Abtasten, kein Taktieren. So gingen die Franzosen

schnell mit einem Versuch in Führung. Wir hingegen nutzten unsere Chancen

nicht, um daraus Punkte zu machen. Der Gegner wechselte seine Spieler nach

Belieben, konnte die Führung halten und so blieb es beim 0-5 aus unserer Sicht.

Ein typisches erstes Spiel für uns, dass wir später am Tag vielleicht auch

gewonnen hätten.

Im zweiten Match trafen wir auf das tschechische Team Moravskoslezsti Orli.


Wollten wir hier nun alles besser als im ersten Spiel machen, lief dann aber gar

nichts zusammen. Passfehler und Abstimmungsschwierigkeiten führten nur zu

einem ernüchternden Unentschieden ohne Punkte auf beiden Seiten.

Nach einer etwas längeren Spielpause kam unser nächster Kontrahent aus

Spanien. Ein paar Umstellungen in der Aufstellung sorgten für neuen Schwung

und so gingen wir mit einem Versuch in Führung. Die Spanier waren ein harter

Gegner, kämpften am Boden um jeden Ball, so dass der Schiedsrichter Mühe

hatte, die Emotionen der Spieler unter Kontrolle zu halten. Jeweils ein weiterer

Versuch auf beiden Seiten und dann der erlösende Abpfiff – ein Sieg, endlich!

Stolz gingen wir vom Platz als hätten wir unser Tagesziel hiermit erreicht.

Im letzten Gruppenspiel des Tages gegen die weit gereisten California Bald

Eagles waren wir nahezu chancenlos. Geradezu übermächtig erschienen uns

die großen und schnellen Amerikaner, die ihr Team auch noch mit jungen

Spielern aus anderen Teams aufgefüllt hatten. Mit einem deutlichen Ergebnis

zeigten sie uns klar unsere Grenzen an diesem Tag auf. Hatten wir eben noch

den Sieg gegen die Ingenieure aus Barcelona gefeiert, mussten wir diese

Niederlage klaglos hinnehmen.

Der Tag und mit ihm die Temperaturen schritten unaufhörlich voran. Die Beine

waren mittlerweile bei allen Akteuren schwer und die ersten Spieler

signalisierten, dass sie wegen kleinerer Verletzungen nicht mehr am letzten

Platzierungsspiel teilnehmen können. Ausgerechnet gegen die Platzherren aus

Ricany ging es nun am späteren Nachmittag noch einmal. Mit gerade mal 15

Spielern konnten wir aber eine komplette Mannschaft aufstellen und gingen

ohne große Erwartungen in das Spiel. Die Tschechen, die eine 15 Spieler große

Reservebank gegen uns stellten, wechselten ein ums andere Mal und brachten

immer wieder frische Kräfte ins Spiel. Für uns Potsdamer gab es leider nichts

mehr zu holen in den letzten Spielminuten des Tages. Wir verteidigten so gut es

noch ging, aber an einen weiteren Sieg war nicht mehr zu denken.


Wir waren mit der wohl ältesten Mannschaft angereist und haben einen Sieg

und ein Unentschieden erreicht. Glücklich und zufrieden konnten wir also zur

Abschlussfeier anreisen. In weißen Hemden und jeder mit einem anderen

Rugbyschlips, waren wir nicht zu übersehen. Bei gutem Essen und viel Bier ging

ein schöner Rugbytag zu Ende. Da unser Zug erst am Sonntagnachmittag nach

Potsdam abfuhr, konnten wir noch einen sonnigen Tag in Prag genießen.

Wir freuen uns schon auf die nächste Reise im kommenden Jahr. Dann sind wir zwar

wieder älter unter Jüngeren, aber so ist das Leben.




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